Fachtagung Industrielle Reinigung 2010 im Aufwind

Hilden, 12. März 2010 - Die industrielle Teilereinigung ist ein vielschichtiger Prozess mit unterschiedlichen Einflussfaktoren, von denen einige auf der heute zu Ende gegangenen Fachtagung INDUSTRIELLE REINIGUNG in München thematisiert wurden. Die Veranstaltung unter Moderation von FiT-Vorsitzendem Reiner Grün und Dr. Alexander Schreiner, Münchener Werkstofftechnikseminare, zeichnete sich durch Vorträge mit hohem Praxisbezug aus. Die Teilnehmerzahl war nach der krisenbedingten Talfahrt im vergangenen Jahr deutlich auf 86 angestiegen.

 

 

Die Reinigungsmethode sollte zunächst an Material, Größe und Geometrie der Teile, die Verschmutzung und die Sauberkeitsanforderungen angepasst werden. Ein vielseitiges Medium ist Wasser, dessen Qualität und Eigenschaften jedoch wichtig sind. Zudem sind zusätzlich zum Wasser mindestens zwei Energiequellen notwendig. Neben Wasser existieren andere Lösemittel, die ebenfalls zur Reinigung eingesetzt werden können. In seinem Vortrag verglich Geoff Wakeling, Deutsche BP AG, die unterschiedlichen Möglichkeiten und Nebeneffekte und zeigte Vor- und Nachteile auf.  

 

Herausforderung Umwelt

 

ZVO-Ressortleiter Herbert Breidenbach verdeutlichte anschließend, dass die gängigen Umweltgesetze auch für Reinigungsmaschinen und -anlagen gelten, was viele Hersteller und Betreiber nicht wissen. Reinigungsanlagen erzeugen Abwasser, dessen Behandlungsanforderungen der Anhang 40 der Abwasserverordnung (AbwV) regelt. Dessen allgemeine Anforderungen sind bei jedem Herkunftsbereich zu beachten.

 

Im Vortrag von Prof. Dr. Peter Kunz vom Institut für Biologische Verfahrenstechnik – Hochschule Mannheim, wurden die Zuhörer mit den Lebens- und Wachstumsbedingungen von Mikroorganismen wie Bakterien, Pilze/Hefen und pflanzliche Einzellern vertraut gemacht. Sie fliegen durch die Luft und kommen über das Leitungswasser in die wässrigen Systeme der Oberflächenbehandlungsanlagen. Kunz stellte das Öko- und Nährstoffsystem „Entfettungsbad“ bildlich vor, zeigte Strategien zur Keimzahlverminderung oder, umgekehrt, zum mikrobiellen Abbau von Fetten zur Badpflege auf.

 

Herausforderung Messmethoden  

 

Brigitte Haase, Hochschule Bremerhaven, gab einen Überblick über Methoden zur Messung des Oberflächenzustands und der Sauberkeit metallischer Oberflächen. Ihr schloss sich Carina Dürrwang, Mahle Filtersysteme GmbH, an, die hochwertige innovative Filtrationssysteme für die Industrielle Teilereinigung vorstellte. Denn der Anspruch an die Filtration steigt über die gesamte Wertschöpfungskette – von der groben Vorfiltration von Spänen in Reinigungsanlagen bis zur Feinstfiltration in der Prüftechnik und Separation. Warum und wie man Filterelemente reinigt, beantwortete Peter Wagner Bandelin GmbH, Berlin) in Vertretung von Claus Bodensahohn, Bodensohn Präzision, in seinem Vortrag „Instandhaltung von Filterelementen aus wässrigen Reinigungsbädern“. Mit welchen Methoden sich Sauberkeit richtig messen lässt, erklärte Bernhard Heneka, RJL Micro & Analytic GmbH. Jeder verantwortungsvolle Automobilproduzent stellt mittlerweile auch Sauberkeitsanforderungen an die Komponente und deren Funktion. Weil aber Automobil-Komponenten tendenziell immer kleiner, präziser und leistungsfähiger werden, werden entsprechend genaue Messverfahren notwendig, um deren Sauberkeit zu überprüfen. 

 

Ebenfalls mit der Analyse, nämlich mit der zeitintegrierenden laserinduzierten Fluoreszenzspektroskopie  beschäftigte sich Dr. Heribert Hohmann, Systektum GmbH. Zur Realisierung einer zeitnahen bzw. unmittelbaren Erfassung und Beurteilung der Oberflächeneinheit sind die gängigen Labormethoden nur bedingt oder gar nicht einsetzbar bzw. adaptierbar. Andere analytische Werkzeuge erweisen sich als zu unempfindlich. Der Einsatz eines Lasers zur Fluoreszenzanregung und eines hochempfindlichen Photomultiplier-Detektors bieten jedoch eine zuverlässige Erfassung organisch-chemischer Kontaminationen auf beliebigen Flächen und Bauteilen.  

 

Herausforderung komplexe Bauteile

 

Von den Erfahrungen beim industriellen Reinigen komplexer Bauteile für Abgassysteme berichtete Regina Palentien, Tenneco Automotive Heinrich Gillet GmbH. Denn durch Downsizing der neuen Motorengenerationen und vermehrtem Einsatz von Abgasturboladern mit hohen Drehzahlen werden die Bauteile ge­genüber Partikeln empfindlicher und die Automobilhersteller stellen konkrete Anforderungen an Parti­kelart, -größe und -anzahl.

 

Die Reinigung von feuchtigkeits- und temperaturempfindlichen Materialien wie auch von Bauteilen mit komplexen Geometrien und Oberflächenstrukturen stellt die modernen Produktions- und Fertigungsketten vor zum Teil unlösbare Herausforderungen. Aus diesem Grund erarbeiten das Fraunhofer IPK Berlin und die Ruhr-Universität Bochum zusammen mit Herstellern und Anwendern im Bereich Reinigungstechnik im Verbundprojekt „KodiWasch“ einen Lösungsansatz auf Basis von komprimiertem Kohlendioxid, den Dennis Rebien und Johannes Mankiewicz erläuterten.

 

Ein oft unterschätzter Prozessschritt beim PVD-Beschichten von Werkzeugen und Maschinenbaukomponenten ist die Reinigung der Produkte vor dem Vakuumbeschichten. Neben der mechanischen Vorbehandlung ist die wässrige, meist ultraschallunterstützte, Vorreinigung der Produktoberflächen entscheidend für die Abscheidung einer haftfesten Hartstoffbeschichtung, wie André Hieke, IonBond Netherlands BV, belegte. Claas-Hinrich Gösel, ZF Lenksysteme GmbH, erörtere in seinem Vortrag ausgehend von der täglichen Praxis in einem produzierenden Unternehmen, welche Anforderungen an das Produkt Kfz-Lenkung zur intensiveren Betrachtung von Restschmutz und Teilesauberkeit führen.

 

Nächste FiT/-ZVO-Veranstaltung zur Bauteilreinigung: 23.09.2010,

www.oberflaechentage.de

 

Nächste Fachtagung INDUSTRIELLE REINIGUNG in München: 10./11. März 2011,

http://www.zvo.org/?id=2854